Reale Überwachung in Berlin

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Kürzlich bin ich beim Umsteigen auf der U-Bahnhof Möckernbrücke visuell über die vielen neuen Überwachungskameras gestolpert, mit denen der Bahnhof “aufgerüstet” wurde. Allein ein einzelner Bahnsteig hat jetzt 10 Kameras in HD, von denen die neuen auch noch bewegliche Optiken haben.

Während die alten statischen Kameras, erkennbar an den Spinnwebfäden, offenbar erhalten bleiben, wurden die neuen Kameras ohne Rücksicht auf ästhetisch-architektonische Aspekte installiert: die Befestigungsmittel sind plump, auffällig und integrieren sich in keiner Weise in die Bahnhofsgestaltung. Überwacht werden nun nicht nur der Bahnsteig mit praktisch jedem Winkel, sondern auch alle Ab- und Zugänge. Über diese kostspielige Aufrüstung auf zahlreichen Bahnhöfen, die sich sicher auch in erhöhten Fahrpreisen niederschlägt, ist bereits Anfang August in der Presse diskutiert worden.

Mit nunmehr 10 Kameras für einen Bahnsteig allein finde ich den Überwachungs-Overkill erreicht.  Ich möchte nicht auf jeden Schritt und Tritt gefilmt und digital gespeichert werden. Begründung ist wie immer das Argument, so könne mehr Sicherheit erreicht werden. Allerdings gibt es dagegen gewichtige Gegenargumente, insbesondere, dass die Kameras lediglich zu einer Verdrängung der eventueller Übergriffe in nicht so gut überwachte Bereiche führen. Auch fehlt bislang immer noch eine wissenschaftliche Überprüfung, ob die Kameras einen Sicherheitsnutzen haben.

Hinzu kommt, dass inzwischen die Polizei direkten Zugriff auf die BVG-Kameras auf zentralen Bahnhöfen erhält (s. Artikel im ND) – erneut findet eine weitere wesentliche Einschränkung der Privatsphäre statt, da wir nunmehr in der BVG direkt unter polizeilicher Beobachtung stehen. Und ein Missbrauch solcher Überwachungsmassnahmen kann bekanntlich nie ausgeschlossen werden.