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Posts tagged “c/o Berlin

Gundula Schulze Eldowy


Die frühen Jahre – Ausstellung bei c/o Berlin 10.12.2011-26.02.2012

Verwandlungen und Den Letzten beißen die Hunde im Kunst-Raum und im Mauer-Mahnmal im Deutschen Bundestag 29.11.2011-26.02.2012

Was für ein Blick! Wie intensiv sie die Welt sieht! “Berlin hat mich zur Fotografin gemacht”, sagt sie – und sie hat Berlin zur Fotografie gemacht, speziell das Ostberliner Scheunenviertel und seine Bewohnerinnen und Bewohner in den 70er und 80er Jahren, zu ikonischen Bildern, die aus längst vergangener Zeit zu stammen scheinen, wehmütig machen, an einen Traum erinnern. Aber sie ist nicht so unschuldig an der Intensität ihrer Fotografien: sie sucht ‘starke’ Motive, sie will diese Art Bilder ‘haben’, sich aneignen, sie sind in gewisser Weise ihr Eigentum, ihr Kapital. Im Schlachthaus abgetrennte Köpfe von Rindern zu fotografieren oder die blutigen Geburten von Menschen läßt kaum eine andere als intensive Bildwirkung erwarten, zumal wenn das Material farbig ist. Und wenn sie in Berlin, Leipzig und Dresden verfallene Häuser fotografiert wie wenn Krieg wäre, ist die Tendenz deutlich – die Bildwirkung um fast jeden Preis steht im Vordergrund.

Die Situation in der DDR in den 70ern und 80ern, speziell im Berliner Scheunenviertel, in dem sie lebte, schien genauso auf der Stelle zu treten wie das eingemauerte Westberlin seinerzeit, jedoch schien Ostberlin eher dem Verfall preisgegeben, wie es ja in vielen Städten im Osten der Fall war. Dieser Verfall und seine oft pittoreske Bildwirkung, das hermetische Gesellschaftsklima, das merkwürdige menschliche Blüten wachsen ließ, die sie nur noch pflücken mußte, haben ihr jede Möglichkeit gegeben, in diesem Biotop aufregende Bilder zu gestalten. – Mit der “Wende” verschwand dieses Biotop sehr schnell und bot Gundula Schulze Eldowy keine Chance mehr, ihre Arbeit in der bisherigen Form fortzusetzen. Angestoßen durch die Einladung von Robert Frank in die USA ging sie seither in die weite Welt hinaus auf der Suche nach dem, was sie innerlich bewegt und in Bildern, Texten, Gesängen ausdrückt. Der Blick wendet sich nach innen, Spiritualität statt Realiät rückt in den Vordergrund: Bilder von Mumien faszinieren sie nun, Reproduktionen verblasster christlicher Mosaiken belegt sie mit Blattgold und -silber, verschwommene Toten-Bilder auf Grabstätten verschwinden fast unter Eins und Schnee. Tod und Vergänglichkeit, Auflösung, Untergang und das was bleibt sind seither – und wohl immer schon – ihre Themen.


Zur Mapplethorpe-Ausstellung bei c/o Berlin 2011

Nach der für mich eher enttäuschenden Lindbergh-Ausstellung im ehemaligen Postfuhramt in der Oranienburger Straße bin ich von der Präsentation der Arbeiten von Robert Mapplethorpe uneingeschränkt begeistert: zunächst einmal hängen hier offenkundig Originale und keine Digitaldrucke. Wir sehen also die von Mapplethorpe oder in seinem Auftrag geprinteten Original-Barytbilder, finden direkten Zugang zu seinen ureigensten fotografischen, künstlerischen Intentionen und Visionen. Und die sind – bei aller bekannten Drastik einiger gezeigter Motive – äußerst subtil und differenziert. Nichts wirkt plakativ, ge- oder erzwungen (na gut, ein zwei Kinderporträts sehen aus wie kitschige Auftragsarbeiten für reiche Eltern), alles legt sich in feinsten Tonwerten und klarster Formensprache auseinander. Und insbesondere die Klarheit im Bildaufbau ist immer wieder faszinierend und ästhetisch befriedigend. (weiterlesen …)


“On Street” – Ausstellung Peter Lindbergh und “Photographs” von Fred Herzog

Wird Peter Lindbergh überschätzt? Oder ist er der herausragende Fotokünstler der Gegenwart?

Seine Ausstellung bei c/o Berlin hat mich nicht überzeugt – unendlich große Inkjet-Prints (also digital aufbereitet, egalisiert und dann gedruckt) auf einem “Baryt”-Papier, voller grauer körniger Soße, jedoch mit wenig Inhalt, laden kaum ein, sie genauer anzuschauen. Und gar das Thema “On Street” in einer großen Ausstellungshalle 25 Mal zu variieren, indem immer irgendein Model in irgendeinem modischen Aufzug durch die Straßen von New York geht oder rennt oder darin neben anderen Passanten herumsteht, ist sowas von langweilig! Zum Glück hat sich Klaus Honnef der Ausstellung erbarmt und neben weniger bekannten Aufnahmen einige der “Bildikonen” Lindberghs, denn diese gibt es ja wirklich, als zusätzlichen Beitrag angefordert, die (nochmals) zu sehen, Freude machen: bewegende intensive Porträts und fast grafische Inszenierungen seiner Models. (weiterlesen …)