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Film

2001 Odyssee im Weltraum – revisited

Eigentlich ist es ja keine schlechte Idee des Astor-Kinos in Berlin am Kudamm, wahre Filmklassiker in einer sonntäglichen Matinee nach einer kurzen Einführung dem geneigten cineastischen Publikum noch einmal vorzuführen. Ob dazu aber eine völlig abgenudelte, “mäßig rotstichige” (in Wahrheit stark rotstichig, es waren fast keine anderen Farben mehr erkennbar), über 40 Jahre alte unrestaurierte verblichene und verkratzte, in den Tonspuren beschädigte Uraufführungskopie (70 mm) geignet ist, wage ich zu bezweifeln. Eine solche Kopie mag historische künstlerische Bedeutung haben, zum Kennenlernen eines solchen Werks reicht sie nicht.

Wenn sich etwas über Stanley Kubrick sagen lässt, dann, dass er ein Perfektionist war, auch was die Bildqualität seiner Arbeiten angeht. Diese ließ sich nur schwach erahnen. Bereits die DVD-Kopie dieses Films weist eine wesentlich höhere Qualität aus, angemessene Kontraste und brillante Farben. Die Bluray-Version soll noch besser sein.  Warum wurde nicht diese vorgeführt, mit der auf der großen Leinwand wirklich ein neues Kennenlernen der künstlerischen Intention Kubricks und vieler von ihm plazierter bislang kaum sichtbarer Details möglich gewesen wäre?

Der Film selbst bleibt auch nach so langer Zeit hermetisch, verrätselt und kryptisch, und aus der großen Zahl der bis heute versuchten Deutungen (Internetrecherche genügt) hat sich keine als “gültige” oder “kanonische” Interpetation herausgeschält: Schickten Aliens den Monolithen? Steht er für die Aufrichtung megalithischer Steine, die den Menschen mit der kosmischen Ordnung ver- und in eine hierarchische Ordnung einbindet?  Bedeuet er gar das Aufnahmefenster der Filmkamera? Hat Kubrick im Film freimaurerische Symbole eingearbeitet (Horus-Auge über der Pyramide)?Verweist der mörderische Computer HAL auf das heraufziehende bedrohliche Computerzeitalter? Meint Kubrick mit HAL direkt IBM? Was passiert in der psychedelischen Reise am Ende des Films? Bringt das neue Wesen den Übermenschen oder das Ende de bekannten Menschheit? Und auch die Verschwörungstheoretiker haben Kubrick für sich entdeckt: mit “2001 – A Space Odyssey” habe er nur geübt, um die Mondlandung der Amerikaner möglichst gut zu faken, also vorzutäuschen: mögen die Astronauten auf dem Mond gewesen sein oder auch nicht – die brillanten Fotos und nicht so brillanten Filme sollen von Kubrick stammen.

Lohnenswert ist es allemal, den Film zu kennen – aber diese Kopie anzuschauen, war kein Genuss.

 

 

 

 

 


Quentin Tarantinos Django Unchained

Erneut ein großartiges Film-Epos von Quentin Tarantino! Nachdem er in “Inglorious Basterds” die Geschichte der Nazi-Zeit drastisch und blutrünstig umgeschrieben hat, nimmt er sich diesmal der “eigenen”, der US-amerikanischen Vergangenheit in ihren finstersten Zeiten der Sklavenhaltung im Süden der USA an und demontiert diverse Sagen und Mythen der Gründungszeit dieser Nation (nur ein Beispiel: die Ku Klux Klan-Mitglieder streiten über die Qualität ihrer über den Kopf gezogenen Beutel und bringen albernste Argumente dafür und dagegen, entlarven sich als armselige Dilettanten. – Dieses Problem scheint übrigens bis auf den heutigen Tag nicht richtig gelöst: Andres Serrano porträtiert in seinem hervorragenden Bildband “Body and Soul” diverse Ku Klux Klan-Größen und zeigt in aller Deutlichkeit, dass sich die stümperhafte Fertigung ihrer Masken immer noch auf deutlich vorindustriellem Niveau befindet.)

Neben den nicht übermäßig häufigen, dafür aber in gewohnter Manier umso übertriebeneren Gewaltexzessen ist der immerhin über 160 Minuten lange und ausgezeichnet besetzte Film (u.a. Leonardo diCaprio, Jamie Fox, Samuel L. Jackson, Kerry Washington, Gastauftritt Franco Nero) eine riesige Hommage an den Schauspieler Christoph Waltz, dem Tarantino geradezu irrwitzig ausgedehnte und ausgefeilte Dialoge auf den Leib geschrieben hat. Da glaubt ein Regisseur (und Autor!) massiv an die Macht der Sprache, um dann doch immer wieder im Trauma der absoluten und hemmungslosen Gewalt zu enden. Und es gibt scheinbar keinen Weg von der Sprache zur Gewalt, nur einen abrupten Übergang, eine unüberwindbare Dichotomie.

Leider leidet der dank der beeindruckenden Bildideen, raffinierten Dialoge, originellen Musik und vielfachen Referenzen auf Filmklassiker des Western-Genres mit hohem Genuss ansehbare Film für meinen Geschmack dann doch etwas an der übermäßigen Länge und Wortlastigkeit, und es stellt sich ein Gefühl von “in gewohnter Manier” ein: während in “Inglorious Bastards” Waltz’ Ausführungen noch überraschten und einfach genießerisch anzuhören und zu -sehen waren, kam bei mir in “Django Unchained”  mitunter der Wunsch auf, Dr Shultz möge sich kürzer fassen und ein kleines bisschen weniger umständlich zur Sache kommen; besonders im zweiten Teil des Films wird er durch seine Taktik, sein Ziel durch ausgedehnte hintersinnige Verhandlungen zu erreichen, zu einer tragischen Figur, und die Ohnmacht der Sprache zeigt sich um so drastischer. – Insgesamt ein typischer Tarrantino, und wer seine Filme mag, sollte diesen unbedingt sehen!


Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – der Film

Und wieder ein höchst unterhaltsamer Film – diesmal eine kongeniale Verfilmung der Independant-Comic-Reihe um den Bassisten Scott Pilgrim von Bryan Lee O’Malley: sehr zeitgemäße comichafte Umsetzung in sympathischer Perspektive auf die Figuren mit hohem Tempo, und dabei sehr unterhaltsam. Details gibts im Netz zuhauf, ich verweise hier nur auf den sehr treffenden Artikel imSpiegel. Unbedingt sehens- und auch hörenswert – so einen verzerrten dirty sound gab’s lange nicht zu hören.

The American

Ein Film von Anton Corbijn, Musik Herbert Grönemeyer, Hauptdarsteller: George Clooney und eine bezaubernde kleine Stadt in den Abruzzen.

Corbijn kenne ich vorzugsweise als “Kollegen”, als Fotografen, der berühmt geworden ist mit großartigen Schwarzweiß-Fotografien von Musikern. In seiner langen Freundschaft mit Herbert Grönemeyer hat er auch den einen oder anderen Videoclip für ihn gedreht – wie auch für andere Musikgruppen -, und Grönemeyer revanchiert sich hier offenbar mit seiner Musik zum Film.

Als Fotograf genügt es mir fast, wenn ein Film “fotografisch” gefilmt ist wie dieser, mit großartigen Ansichten, imposanten Landschafts- und Architekturaufnahmen, präzisen Bildausschnitten, überzeugender Ausleuchtung und konsistenter Farbdarstellung. Wenn dann noch eine halbwegs interessante Geschichte hinzukommt, ist der Abend gerettet. – Nur leider ist die Geschichte nach einer Einfühlungsphase von einer Viertelstunde allzu durchschaubar und nach alten Strickmustern gearbeitet, der Ablauf und das Ende sind allzu vorhersehbar. Und auch die freizügen Erotikszenen wirken allzu gewollt und aufgesetzt, die sind wie der Besuch bei Prostituierten, ohne dass sich etwas entwickelt (auch wenn sich später etwas entwickelt, aber auch das wirkt nicht überzeugend).  Bleibt nur: ein handwerklich gut gemachter Fotografenfilm mit wunderbaren Bildern, aber einer allzu beliebigen Handlung und einem fragwürdigen Verhältnis zu Frauen als eingestreuten Schmuckstücken.


Kokowääh

Man mag über den Film von Til Schweiger denken was man will -

z. B., dass die Geschichte völlig irreal ist; dass es völlig unglaubhaft ist, dass ein kleines Mädchen so einfach einem ihm wildfremdem Mann überlassen wird; dass eine einzelne Frau mit Dienstmädchen eine so große Hütte allein bewohnt; dass das Leben nur aus ausgewählt schönen Berliner Locations besteht und diese auch so gefilmt werden, wie der ganze Film sehr “geschönt” gefilmt ist; usw… -

jedenfalls aber gibt es im Scrabble-Spiel nur ein einziges “Ä”, sodass das Mädchen das Wort “KOKOWÄÄH” so nie hätte legen können. Auf diese Weise führt der Regisseur uns hinters Licht: Was nicht passt, wird eben passend gemacht, und wenn’s durch ein doppeltes Spiel geschieht. Redlich ist anders.