Ostkreuzschule für Fotografie

Tag der offenen Tür in der Ostkreuzfotoschule am 12.11.2011
‘Arte Povera’ wohin man blickt: tief im berliner Osten verborgen, im Stadtteil Weißensee fern der neuen Touristenströme, die Berlin segmentieren, liegt versteckt im Hinterhof und verteilt auf zwei Gebäude diese Fotoschule. Sie geht in der Tradition der Lehre von Ernst Fischer auf einen geradezu mythischen charismatischen Gründer zurück, der das fotografische Geschehen in der DDR weitgehend geprägt haben muss, wenn man den Erzählungen seiner zahlreichen Adepten glaubt. Leider konnte ich ihn nicht persönlich kennen lernen, und sein fotografisches Werk steht hier nicht zur Diskussion.
Einfache Räume also, die notwendige, aber nicht übertriebene Ausstattung an Technik und eine große Aufmerksamkeit der anwesenden Dozenten für die Besucher. An den Wänden Arbeiten der Schüler, und nach wie vor das Bestehen auf der Arbeit mit Film und im Labor neben den natürlich vorhandenen Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung.
Die Studienergebnisse der Arbeit der letzten Jahre liegen vor als Zeitungen, gedruckt auf Zeitungspapier, wie es sich für vorwiegend ‘journalistische’ oder reportageartige Arbeiten gehört – worin sich ebenfalls eine Verweigerung, eine gewollte Reduktion auszudrücken scheint wie im gesamten Umgang mit der Fotografie: eine Nüchternheit, ein Sich-Zurücknehmen, eine Selbst-Beschränkung – bloß kein “schönes” Bild etwa, bloß kein voller Tonwertumfang, wie er eben im Zeitungsdruck nicht möglich ist, nur keine wirkliche Farbigkeit, wie sie in der Fotografie möglich wäre – hier wird eine Chimäre von Fotografie zelebriert, ein Gespenst, grau und matt und jenseits von schöner, zeitgeistiger oder zeitgemäßer Bildgestaltung in kommerzieller Fotografie. Ob das wirklich sein muss? Ob eine solche Verweigerungshaltung und Selbstbeschränkung gegen die vorherrschende Bilderwelt ankommt? Oder man sich hier unnötig eines ganzen Darstellungsspektrums beraubt? Wer mit so teuren Geräten wie Fotoapparaten ‘spielt’, hat sich auf die kapitalistische Warenwelt eingelassen – dann so zu tun, als würde man unmittelbar Zugang zu einer “Realität” jenseits dieser Warenwelt, jenseits der Welt des Scheins erreichen (wollen), bleibt ein Irrtum, wenn auch ein sympathischer: “Wahrheit” lockt, es werde das “tatsächliche” Leben gezeigt, der Schleier hyperästhetischer Vernebelung weggerissen, das Soziale dokumentiert; aber die gewonnenen Dokumente funktionieren nur im System, aus dem der Fotografierende kommt. Auf die “Realität” haben sie keinen Einfluss. Wenn sie aber ohnehin nur in unserem System funktionieren, sollten sie dann nicht so stark in Szene gesetzt werden wie möglich, um hier Wirkung zu entfalten? Sich, seine ästhetischen Mittel zurückzunehmen, wäre dann der ganz falsche Weg.
Festival of Light Berlin 2011

Festival of Light Berlin 2011 is on!
- Figuren vor dem Brandenburger Tor
- Tempelhofer Freiheit, ehemals Zentralflughafen Tempelhof
- Potsdamer Platz Festival of Light 2011
- Brandenburger Tor Pink
Adobe Masters Tour in Berlin
Fort- und Weiterbildung gehört in der Fotografie wie in allen Berufen zur obligaten Begleiterscheinung, um die persönliche Qualifikation auf dem aktuellen Stand zu halten. Die 5.5 Master Suite von Adobe wurde auf diesem Event am 27.9. ausführlich vorgestellt von, man lese und staune, den “vier international anerkannten Evangelisten aus den Vereinigten Staaten”, die allerdings Greg, Jason, Rufus und Paul hießen und nicht Matthäus, Markus usw., und die auch nicht alle aus den USA kamen, sondern einer aus Italien, einer aus Australien. Aber diese Anspielung auf die Evangelisten war meinem Eindruck nach mehr als nur ein oberflächlicher Marketing-Scherz: wir alle saßen gemeinsam im Cinemaxx am Potsdamer Platz, und vor uns hatten wir veritable Wanderprediger, die uns die Wunder der neuen Software zeigten und uns zu Begeisterungsstürmen hinrissen mit der wiederholten Frage: “Is that cool?”, worauf die Glaubensgemeinschaft klatschte und jubelte. Hier wird offenbar – ähnlich wie in der Apple-Gemeinde – nicht nur eine sehr brauchbare Software verkauft, sondern gleich ein Gemeinschafts-, ein Zugehörigkeitsgefühl, es entsteht eine Glaubensgemeinschaft ähnlich einer Kirche. Liegt in diesem Surplus an Emotion das Erfolgsgeheimnis dieser amerikanischen Unternehmen wie Apple oder Adobe?
Auch die Struktur der Veranstaltung hatte etwas Totalitäres – es bestand keinerlei Wahlmöglichkeit, sich über bestimmte Produkte oder Aspekte zu informieren, sondern man mußte, wenn man denn mehr erfahren wollte, der von Adobe vorgegebenen Inszenierung bis zum Ende folgen und die verteilten Brosamen über die unterschiedlichen Produkte zusammensammeln. Als selbstständiger mündiger Erwachsener wäre mir wesentlich lieber gewesen, ich hätte die Möglichkeit gehabt, mich in Modulen gezielt über einzelne Produkte zu informieren. Aber das steht natürlich Verkaufsinteressen Adobes im Wege.







