ISIZ – Ausstellung light
Vor rund einem Jahr wurde mit großem Aufgebot und viel Tamtam die Doppelausstellung des französischen Fotografen IZIS als “Highlight” des 4. Europäischen Monats der Fotografie” im Willy-Brandt-Haus und im Institut Francais in Berlin eröffnet. Diese Ausstellung war in meinen Augen typisch für den heutigen Umgang mit Fotografie:
Ohne Zweifel handelt es sich bei ISIZ um einen sehr großen fotografischen Meister mit hervorragend stimmigen Kompositionen und eindrucksvollen Bildern. Allerdings hat dieses Ausstellungsprojekt mit ca. 300 Arbeiten einige aufschlußreiche Beiklänge: offenbar arbeiten die Ausstellungsmacher am klassischen Kunstmarkt vorbei – nicht umsonst sind es zwei eher politische Institutionen, die den Fotografen präsentieren. und keine Fotogalerien, und dazu hat man sich auf das Attribut “humanistisch” geeignet, unter dem ISIZ verkauft werden soll, also ein primär politisch-ideologisches Etikett. In einigen Reden klang denn auch eher der Nutzen der Ausstellung für die deutsch-französische Freundschaft an, als dass auf die beieindruckende künstlerische Leistung von IZIS näher eingegangen wurde.
Enttäuschend war dann auch die gesamte Ausstellung (soweit es das Willy-Brandt-Haus betrifft, im Institut Francais war ich nicht) – einfach weil keinerlei (oder sehr sehr wenige, wenn überhaupt) Originale zu sehen waren, sondern durchweg nur durchschnittliche digitale Reprints von heute – da wurde der komplette künstlerische Anteil des Fotografen in der Ausarbeitung, seine spezifische Art, Prints herzustellen, ihr “Zeitmarker”, nivelliert in ein immergleiches Erscheinungsbild der Fotos, wie man sie eben heute “perfekt” printen würde. Gerade die spezifische Atmosphäre, die Aura seiner Originale wird uns verweigert.
Auf Rückfrage am Verkaufstisch wurde bestätigt, es sei “eine Mischung” aus Originalen und Reprints, allerdings mußte man die Originale suchen.
Das Projekt zeigt sich insgesamt als querstehend zur Präsentation von Fotografien in Originalen – hier geht es nur um die Vermarktung der Motive und des “Humanismus”, dem ISIZ untergeordnet wird – Postkarten, Poster, Bücher sind das Hauptgeschäft. Die digitale Reproduzierbarkeit frißt die Fotografie – der Zugang zum analogen Original wird immer schwieriger, es zieht sich in den – elitären – Kunstmarkt und die Portfolios privater Sammler zurück.



