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“On Street” – Ausstellung Peter Lindbergh und “Photographs” von Fred Herzog

Wird Peter Lindbergh überschätzt? Oder ist er der herausragende Fotokünstler der Gegenwart?

Seine Ausstellung bei c/o Berlin hat mich nicht überzeugt – unendlich große Inkjet-Prints (also digital aufbereitet, egalisiert und dann gedruckt) auf einem “Baryt”-Papier, voller grauer körniger Soße, jedoch mit wenig Inhalt, laden kaum ein, sie genauer anzuschauen. Und gar das Thema “On Street” in einer großen Ausstellungshalle 25 Mal zu variieren, indem immer irgendein Model in irgendeinem modischen Aufzug durch die Straßen von New York geht oder rennt oder darin neben anderen Passanten herumsteht, ist sowas von langweilig! Zum Glück hat sich Klaus Honnef der Ausstellung erbarmt und neben weniger bekannten Aufnahmen einige der “Bildikonen” Lindberghs, denn diese gibt es ja wirklich, als zusätzlichen Beitrag angefordert, die (nochmals) zu sehen, Freude machen: bewegende intensive Porträts und fast grafische Inszenierungen seiner Models.

Ein delikates Detail am Rande: kaum dass man die Ausstellung betritt, im Erdgeschoß, in dem vornehmlich Bilder aus Berlin hängen – auch hier Leere, Gegenstandslosigkeit, allenfalls ein wenig Stimmung, davon aber eher triste -, sind einige Bilder verhängt, und drunter steht, es gebe einen Rechtsstreit mit der abgebildeten Person, die offenbar Veruschka ist, weshalb die Bilder nicht gezeigt werden dürfen.

Im Internet erführt man dazu, dass es sich bei diesen Motiven wohl um eine “Kooperation” zwischen Veruschka, der sich selbst inszenierenden Künstlerin, und Lindbergh handelt, die nur einmalig in der italienischen Vogue gezeigt werden durfte, worüber Lindbergh sich offenbar hinweggesetzt hat, sodass es zu einer “Einstweiligen Verfügung” von Veruschka kam. Es ist natürlich enttäuschend, wenn so interessantere in Berlin fotografierte Motive nicht zu sehen sind.

Ganz anders die Arbeiten von Fred Herzog: gezeigt werden überschaubare Formate farbiger Prints seiner Dias aus den Fünfzigern und Sechzigern, fotografiert auf den Straßen von Vancouver. Und diese Bilder zu betrachten, ist eine wahre Freude – sie stecken voller Details, es gibt viel zu sehen und zu entdecken über das Leben in jener fernen Zeit, den Alltag, die Kleidung, Auslagen in Geschäften oder auch einfach nur die damaligen Rasur-Utensilien oder die Leuchtreklamen oder eben die vielen Menschen auf den Straßen. Und sie sind voller exzellenter Farben, ohne bunt oder übertrieben zu wirken – ein wichtiger Beitrag zur Fotografie im Sinne des Festhaltens von vergänglichen Dingen und Momenten.

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