Willy-Brandt-Haus

Jim Rakete – Stand der Dinge


Die Film-Branche zelebriert sich (mal wieder) selbst. Hundert Porträts von sogar mehr als hundert Filmschaffenden, in den vergangenen Jahren von Jim Rakete fotografiert im Auftrag des Deutschen Filmmuseums, mit jeweils einem Gegenstand aus einem Lieblingsfilm: hier droht natürlich gleich die Gefahr, dass sich die Porträtierten hinter ihrer Rolle verstecken, hinter der Geschichte, die dieser Gegenstand erzählt, und wenig von sich preisgeben. Gezeigt werden uns vorrangig die Schauspieler, die Masken der Persönlichkeiten, die sie in den Filmen „geben“, weniger die Personen, die sie jenseits des Kinos sind – aber sind wir an denen überhaupt interessiert? Will das – zahlreiche – Publikum in der Ausstellung nicht wirklich nur die Leinwand- oder Fernsehstars nochmals sehen ohne besonderes Interesse für die Personen jenseits der Rolle? Nur in den wenigsten Aufnahmen konnte ich mich der Illusion hingeben, etwas über die abgelichteten Persönlichkeiten als solche zu erfahren. Aber ist so etwas überhaupt möglich, wenn man sie nicht persönlich erlebt, sondern nur in ihren Fernseh- oder Filmrollen? Fast wäre mir lieber gewesen, die Fotos wären ohne diese Gegenstände entstanden, die die Schauspieler immer wieder zurückbinden in ihren liebsten Job, der aber nur ein Job bleibt, und sie hätten sich als Charaktere von ihrem Beruf lösen können. Aber dem stand offenbar der Auftrag des Filmmuseums entgegen, das ja seine Gegenstände vermarkten will und damit eine gewisse Vordergründigkeit verlangt.

Insgesamt also ein recht schwieriges Projekt. Hinzu kommt, dass, wie es heißt, Rakete die Bilder digital und in Farbe zu fotografieren hatte, auch wieder, um den Gegenständen gerecht zu werden. Diese Art der Aufnahme und erforderlicher Nachbearbeitung führt in vielen Bildern zu merkwürdigen Effekten: so scharf sie meist sind, so erstaunlich mutet das außerordentlich starke „Film“-Korn an, das über einigen Bildern liegt, so unverständlich wirken zahlreiche Artefakte in etlichen Bildern, die womöglich der Nachschärfung, sicher aber der digitalen Nachbearbeitung geschuldet sind, so mangelhaft ist der digitale Tintenstrahldruck, wo in den Lichtern gar keine Farbe mehr den Weg aufs Papier gefunden hat, sodass dort direkt Löcher im Bild entstehen.

Nur wenige Motive überzeugen mich denn auch wirklich, gehen tiefer, sprechen wirklich an, die meisten bleiben Werbeaufnahmen für das Kino und das Deutsche Filmmuseum.

ISIZ – Ausstellung light

Vor rund einem Jahr wurde mit großem Aufgebot und viel Tamtam die Doppelausstellung des französischen Fotografen IZIS als „Highlight“ des 4. Europäischen Monats der Fotografie“ im Willy-Brandt-Haus und im Institut Francais in Berlin eröffnet. Diese Ausstellung war in meinen Augen typisch für den heutigen Umgang mit Fotografie:

Ohne Zweifel handelt es sich bei ISIZ um einen sehr großen fotografischen Meister mit hervorragend stimmigen Kompositionen und eindrucksvollen Bildern. Allerdings hat dieses Ausstellungsprojekt mit ca. 300 Arbeiten einige aufschlußreiche Beiklänge: offenbar arbeiten die Ausstellungsmacher am klassischen Kunstmarkt vorbei – nicht umsonst sind es zwei eher politische Institutionen, die den Fotografen präsentieren. und keine Fotogalerien, und dazu hat man sich auf das Attribut „humanistisch“ geeignet, unter dem ISIZ verkauft werden soll, also ein primär politisch-ideologisches Etikett. In einigen Reden klang denn auch eher der Nutzen der Ausstellung für die deutsch-französische Freundschaft an, als dass auf die beieindruckende künstlerische Leistung von IZIS näher eingegangen wurde.

Enttäuschend war dann auch die gesamte Ausstellung (soweit es das Willy-Brandt-Haus betrifft, im Institut Francais war ich nicht) – einfach weil keinerlei (oder sehr sehr wenige, wenn überhaupt) Originale zu sehen waren, sondern durchweg nur durchschnittliche digitale Reprints von heute – da wurde der komplette künstlerische Anteil des Fotografen in der Ausarbeitung, seine spezifische Art, Prints herzustellen, ihr „Zeitmarker“, nivelliert in ein immergleiches Erscheinungsbild der Fotos, wie man sie eben heute „perfekt“ printen würde. Gerade die spezifische Atmosphäre, die Aura seiner Originale wird uns verweigert.

Auf Rückfrage am Verkaufstisch wurde bestätigt, es sei „eine Mischung“ aus Originalen und Reprints, allerdings mußte man die Originale suchen.

Das Projekt zeigt sich insgesamt als querstehend zur Präsentation von Fotografien in Originalen – hier geht es nur um die Vermarktung der Motive und des „Humanismus“, dem ISIZ untergeordnet wird – Postkarten, Poster, Bücher sind das Hauptgeschäft. Die digitale Reproduzierbarkeit frißt die Fotografie – der Zugang zum analogen Original wird immer schwieriger, es zieht sich in den – elitären – Kunstmarkt und die Portfolios privater Sammler zurück.