digitales Mittelformat

Test Phase One 645 DF und IQ 180 Teil 1

Eine Nixe verfängt sich im Netz eines Fischers - Bronze im Viktoriapark Berlin Kreuzberg
Der seltene Fang

Kamera – Back IQ 180 – Objektive

Als langjähriger Mittel- und Großformatfotograf war es mir ein Vergnügen, am verlängerten Wochenende die aktuelle PhaseOne-Kamera 645 DF und das neue Flaggschiff der PhaseOne-Rückteile, das IQ 180, ausgiebig zu testen, wobei “Test” meint, praktisch mit der Kamera zu arbeiten, im Studio und unterwegs. Irgendwelche Messungen oder Prüfungen habe ich nicht durchgeführt.

Die Geräte – Kameragehäuse, Digital Back und Zubehör und drei Objektive – wurden mir von einem sehr freundlichen Mitarbeiter von PhaseOne  in einem sehr praktischen robusten Kunststoffkoffer gebracht und eingehend erklärt, und es ist alles dabei, was man benötigt, um sofort loszulegen: Kamera, Rückteil, Optiken, Akku, Ladegerät, Kabel, Software (Capture One DB). Was leider nicht existiert: ein deutschsprachiges Benutzerhandbuch oder eine Kurzanleitung. Dafür bekommt man einen eleganten Fächer, der die wesentlichen Themen auflistet, in englischer Sprache. Das ausführliche englische Benutzerhandbuch für das Rückteil kann/muss man sich von der PhaseOne-Homepage herunterladen.

Die Kamera überzeugte mich nach kurzem Gebrauch durch ihre durchweg durchdachte professionelle “Bedienoberfläche” – alles erscheint dem Ziel untergeordnet, möglichst effizient damit arbeiten zu können, die wichtigen Funktionen haben einen eigenen Knopf, man muß in kein “Menu” gehen und Unterpunkte suchen, nichts ist hakelig oder fummlig wie manchmal bei den “kleinen” Spiegelreflexkameras von Nikon oder Canon – na gut, beim Entnehmen der CF-Speicherkarte dürfte diese Karte gern einen Millimeter weiter ausgeworfen werden, sodass sie sich leichter greifen ließe, aber das ist im Grunde kein Problem. Continue reading

Bildbeispiele digitales Mittelformat

Qualitativ hochwertige Fotografie war für mich lange Zeit verbunden mit der gekonnten Verwendung von Mittel- oder Großformatkameras, von Hasselblad und Sinar, mit denen ich lange Zeit fotografiert habe. Da der Verzicht auf die Arbeit mit Film angesichts der digitalen “Revolution” in der Fotografie unvermeidbar war, blieb zwischenzeitlich nur die Möglichkeit, mit digitalen Kleinbildkameras zu arbeiten. Digitiale Mittelformatsysteme mit ihren sehr hohen Kosten kamen für mich nicht in Frage. Dies scheint sich langsam zu ändern, mit neuen Modellen wie der Pentax 645 D scheinen bezahlbare sehr gute Modelle auf den Markt zu kommen, der sich noch weiter bewegen dürfte.
Ich hatte Gelegenheit, die 645D-Spiegelreflexkamera von Phaseone mit dem 60-Megapixel-Rückteil P 65 + zu testen und zeige hier einige stark heruntergerechnete Beispiele:

Auflösung, Klarheit, Detailreichtum der Fotos sind überwältigend! Ich habe den Eindruck, bei Menschen noch unter die Haut zu fotografieren. Das Handling ist makellos, wobei natürlich nicht ganz das Tempo von SLR-Kleinbildkameras erreicht wird.  Verbunden mit der auf Wunsch geringen Tiefenschärfe ergeben sich mit dem digitalen Mittelformat wesentlich erweiterte fotografische Gestaltungsmöglichkeiten. Hinzu kommt die Option, die digitalen Rückteile auch an verstellbaren Kameras von Arca, Sinar, Cambo o.ä. zu zu benutzen.

Von der analogen zur digitalen Fotografie

Dieser Übergang war für mich langwierig und schwierig und ist auch noch nicht abgeschlossen: da hat man sich mühsam alle Kenntnisse und Fähigkeiten angeeignet, korrekt mit Kameras, Filmen, Chemie und Fotopapieren umzugehen, und verdient damit auch richtig Geld, und dann kommt die Digitalisierung und macht alles Schritt für Schritt überflüssig und unzeitgemäß. Natürlich mußte ich als Profi diese neue Technik beizeiten übernehmen, aber die alten Materialien blieben lange eigenes “Fleisch”, von dem zu sich zu trennen eben schwer fällt. Erst im letzten Jahr habe ich alle analogen Kameras und das entsprechende Zubehör verkauft.

Und ich muß zugeben: digitale Fotografie ist einfach großartig! Mit ihren enormen Möglichkeiten übertrifft sie analoge Standards bei weitem. Allerdings gilt es kontinuierlich, den ‘digitalen workflow’ zu optimieren und zu perfektionieren. Wie die Bilder organisieren, bearbeiten, in welchem Format speichern, wie ausgeben? Aktuell arbeite ich mit Capture One Pro 6 von Phase One, einem Hersteller digitaler Mittelformatkameras und -rückteile. Auf diese Software bin ich gestoßen, als ich die neue Phase One Kamera und das P65+-Rückteil getestet habe – mit begeisternden Resultaten!

Schlüsselbegriff in dem von Phase One vorgeschlagenen digitalen Workflow ist die Konsistenz des Arbeitsprozesses: es wird keine mehr oder weniger  zufällige Bearbeitung einzelner Fotografien auf dem trial-and-error-Weg z. B. in Photoshop durchgeführt, sondern wir erzeugen einheitliche Bearbeitungen für ganze Bildgruppen, wobei jedes einzelne Bild immer noch eine individuelle Abstimmung erfährt. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit der gezielten Entwicklung des Films im Labor. Erst durch Zuweisung entsprecheder Profile läßt sich aus den Bildern das herausholen, was wirkich vorhanden ist.

Hinzu kommt: in jedem Verwendungszweck – als Print, im Internet, als Drucksache oder auf dem Monitor – sieht das Bild gleich aus. Dies wird erreicht dadurch, dass die gesamte Bearbeitung des Fotos unter Beibehaltung des aufnahmespezifischen Farbprofils (des in die Kamera eingebetteten Farbprofils) erfolgt und erst am Ende je nach Verwendungszweck die Konvertierung in das dann erforderliche Profil durchgeführt wird.