analoge Fotografie

Pieces of Berlin – Florian Reischauer

Pieces of Berlin - Florian Reischauer
Pieces of Berlin – Florian Reischauer

Mit dieser Ausstellung im Östereichischen Kulturforum in Berlin setzt Florian Reischauer

Florian Reischauer, rechts
Florian Reischauer, rechts

seine Suche nach Authentizität und Originalität – im Sinne der Herstellung eines „Originals“ wie etwa in der Malerei – fort. Vom Unikat des Polaroid-Bilds kommend, geht er jedoch hier seit 2010 den Weg, mit Hilfe einer alten nicht lichtdichten Klappkamera und abgelaufenen fehlerhaften Farbfilmen einzigartige, mit der heute üblichen Digitalfotografie nicht vergleichbare Bildwerke zu schaffen. Themen sind verlorene Orte in (und um) Berlin, aber eben auch die Menschen, die er auf der Straße trifft und im Stil der Schnappschussfotografie ablichtet. Dazu erhalten wir einige kleine Notizen über deren Namen,  ihr Alter und die likes der Abgebildeten. Offenbar hat der Fotograf vor allem nach den Vorlieben in Bezug auf Berlin gefragt, denn es gibt kaum kritische Stimmen – meist finden die Abgebildeten das Leben in Berlin klasse.

Diese Art der Fragestellung aber, verbunden mit der romantisierenden Retro-Art der Abbildung, mit der Reischauer so weit geht, seine eigentlich Junk-Fotografien mit den Werken von Vermeer zu vergleichen, ist für mich durchaus fragwürdig: das sieht alles nach großem Spaß aus mit der Lomo oder Holga oder einer Flohmarktkamera, und die Prints machen wir dann auch noch möglichst schlecht und farbstichig, und schon haben wir große Kunst produziert. Die Herangehensweise an die Porträtierten erscheint mir allzu oberflächlich und geschieht offenbar nur en passant, flüchtig und unverbindlich. Hinzu kommt das angestrengte Bemühen, die Fotografien einfach durch das Verwenden schlechten Materiala in „Originale“ zu verwandeln, um etwas Besonderes darzustellen. Sind denn diese Menschen es nicht wert, bestmöglich dargestellt zu werden statt mit den letzten Müllfilmen und einer kaputten Kamera? Reischauer bricht keine Lanze für die analoge Fotografie, sondern für eine fotografia povera sozusagen, eine möglichst ärmliche und mit bescheidenen Mitteln „experimentierende“ Fotografie.

Vermeer in Berlin, Florian Reischauer
„Vermeer in Berlin“, Florian Reischauer

10 Jahre Bildband MOLLIG von Horst Werner

Mollig Horst Werner 2012
Sonderausgabe 2012

Gute zehn Jahre ist es nun her, dass im Tosa Verlag Wien mein Bildband „Mollig“ veröffentlicht wurde, eine Sammlung von Akt- und erotischen Fotografien von Frauen, die nicht ganz schlank waren, alles damals noch durchgehend analog auf Mittelformat mit meiner Hasselblad oder gar der Sinar im Großformat fotografiert. Man sollte meinen, so altes und „unhandliches“, da nicht digitalisiertes Material wäre heutzutage uninteressant und im Orkus des Vergessens verschwunden, aber offenbar gibt es immer noch Liebhaber dieser Fotografie und/oder dieses Sujets. Jedenfalls ist der Palast-Verlag letztes Jahr an mich herangetreten, um eine Neuausgabe des Buchs auf den Markt zu bringen, und diese kompakte, prall gefüllte „Sonderausgabe 2012“ ist vor kurzem erschienen. Sie enthält meinen Einführungstext von damals sowie zahlreiche Bilder aus der ursprünglichen Publikation, aber auch sehr viel Bildmaterial, das erst seit der Erstveröffentlichung entstanden ist und dem Thema mehr als gerecht wird.

Die bibliographischen Daten: Horst Werner, Mollig. Sonderausgabe 2012, Palast Verlag GmbH Erftstadt 2012, 196 Seiten, Schwarzweiß und Farbe, Format 14,5 x21,5 cm, ISBN 978-3-939527-26-8.

Bislang ist das Buch nur hier zum Preis von 14,99 € erhältlich.

ISIZ – Ausstellung light

Vor rund einem Jahr wurde mit großem Aufgebot und viel Tamtam die Doppelausstellung des französischen Fotografen IZIS als „Highlight“ des 4. Europäischen Monats der Fotografie“ im Willy-Brandt-Haus und im Institut Francais in Berlin eröffnet. Diese Ausstellung war in meinen Augen typisch für den heutigen Umgang mit Fotografie:

Ohne Zweifel handelt es sich bei ISIZ um einen sehr großen fotografischen Meister mit hervorragend stimmigen Kompositionen und eindrucksvollen Bildern. Allerdings hat dieses Ausstellungsprojekt mit ca. 300 Arbeiten einige aufschlußreiche Beiklänge: offenbar arbeiten die Ausstellungsmacher am klassischen Kunstmarkt vorbei – nicht umsonst sind es zwei eher politische Institutionen, die den Fotografen präsentieren. und keine Fotogalerien, und dazu hat man sich auf das Attribut „humanistisch“ geeignet, unter dem ISIZ verkauft werden soll, also ein primär politisch-ideologisches Etikett. In einigen Reden klang denn auch eher der Nutzen der Ausstellung für die deutsch-französische Freundschaft an, als dass auf die beieindruckende künstlerische Leistung von IZIS näher eingegangen wurde.

Enttäuschend war dann auch die gesamte Ausstellung (soweit es das Willy-Brandt-Haus betrifft, im Institut Francais war ich nicht) – einfach weil keinerlei (oder sehr sehr wenige, wenn überhaupt) Originale zu sehen waren, sondern durchweg nur durchschnittliche digitale Reprints von heute – da wurde der komplette künstlerische Anteil des Fotografen in der Ausarbeitung, seine spezifische Art, Prints herzustellen, ihr „Zeitmarker“, nivelliert in ein immergleiches Erscheinungsbild der Fotos, wie man sie eben heute „perfekt“ printen würde. Gerade die spezifische Atmosphäre, die Aura seiner Originale wird uns verweigert.

Auf Rückfrage am Verkaufstisch wurde bestätigt, es sei „eine Mischung“ aus Originalen und Reprints, allerdings mußte man die Originale suchen.

Das Projekt zeigt sich insgesamt als querstehend zur Präsentation von Fotografien in Originalen – hier geht es nur um die Vermarktung der Motive und des „Humanismus“, dem ISIZ untergeordnet wird – Postkarten, Poster, Bücher sind das Hauptgeschäft. Die digitale Reproduzierbarkeit frißt die Fotografie – der Zugang zum analogen Original wird immer schwieriger, es zieht sich in den – elitären – Kunstmarkt und die Portfolios privater Sammler zurück.

Von der analogen zur digitalen Fotografie

Dieser Übergang war für mich langwierig und schwierig und ist auch noch nicht abgeschlossen: da hat man sich mühsam alle Kenntnisse und Fähigkeiten angeeignet, korrekt mit Kameras, Filmen, Chemie und Fotopapieren umzugehen, und verdient damit auch richtig Geld, und dann kommt die Digitalisierung und macht alles Schritt für Schritt überflüssig und unzeitgemäß. Natürlich mußte ich als Profi diese neue Technik beizeiten übernehmen, aber die alten Materialien blieben lange eigenes „Fleisch“, von dem zu sich zu trennen eben schwer fällt. Erst im letzten Jahr habe ich alle analogen Kameras und das entsprechende Zubehör verkauft.

Und ich muß zugeben: digitale Fotografie ist einfach großartig! Mit ihren enormen Möglichkeiten übertrifft sie analoge Standards bei weitem. Allerdings gilt es kontinuierlich, den ‚digitalen workflow‘ zu optimieren und zu perfektionieren. Wie die Bilder organisieren, bearbeiten, in welchem Format speichern, wie ausgeben? Aktuell arbeite ich mit Capture One Pro 6 von Phase One, einem Hersteller digitaler Mittelformatkameras und -rückteile. Auf diese Software bin ich gestoßen, als ich die neue Phase One Kamera und das P65+-Rückteil getestet habe – mit begeisternden Resultaten!

Schlüsselbegriff in dem von Phase One vorgeschlagenen digitalen Workflow ist die Konsistenz des Arbeitsprozesses: es wird keine mehr oder weniger  zufällige Bearbeitung einzelner Fotografien auf dem trial-and-error-Weg z. B. in Photoshop durchgeführt, sondern wir erzeugen einheitliche Bearbeitungen für ganze Bildgruppen, wobei jedes einzelne Bild immer noch eine individuelle Abstimmung erfährt. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit der gezielten Entwicklung des Films im Labor. Erst durch Zuweisung entsprecheder Profile läßt sich aus den Bildern das herausholen, was wirkich vorhanden ist.

Hinzu kommt: in jedem Verwendungszweck – als Print, im Internet, als Drucksache oder auf dem Monitor – sieht das Bild gleich aus. Dies wird erreicht dadurch, dass die gesamte Bearbeitung des Fotos unter Beibehaltung des aufnahmespezifischen Farbprofils (des in die Kamera eingebetteten Farbprofils) erfolgt und erst am Ende je nach Verwendungszweck die Konvertierung in das dann erforderliche Profil durchgeführt wird.

Fotografie erforschen

Das analoge Fotolabor, die Dunkelkammer, ist abgeschafft, alle analogen Geräte – Kameras, Vergrößerungsgeräte und Zubehör – sind verkauft: Nach dem Abschied von der analogen Fotografie in den letzten Jahren und der nahezu unvermeidlichen Hinwendung zur digitalen Fotografie sehe ich ein großes Feld noch notwendiger Erforschung dieser Art, Bilder zu schaffen, der Erkundung ihrer Möglichkeiten und neuen Perspektiven.