Events

Horst Werner berichtet über interessante fotografische Events

PhaseOne IQ 250 Präsentation

Gestern hat PhaseOne in Berlin bei Delight Rental ihr neues Digitalback IQ 250 vorgestellt – das erste Mittelformat-Back mit CMOS-Sensor (von Sony), der Sensortyp,der in allen modernen Kleinbild-Spiegelrelflexkameras verbaut wird. Technische Details zum Back sind hier zu finden, der Preis beträgt wohl rund 25.000 €.

Als begeisterter Anhänger des PhaseOne-Systems (ohne es mir bislang geleistet zu haben), war ich natürlich sehr gespannt auf selbst fotografierte Ergebnisse, gerade auch im Vergleich zu den bisherigen Backs auf CCD-Grundlage. Schon der erste Schuss überzeugte: es gab bei DRS nur die normale Geschäftsbeleuchtung, die eher karg ausfiel, dennoch konnte ich mit offener Blende und Belichtungzeiten von 1/50 bis 1/80 Sekunde bei ISO 3200 recht scharfe, farbneutrale (Automatischer Weissabgleich) und insgesamt angenehm rauscharme Bilder aufnehmen.

Dagegen fielen die Ergebnisse mit dem CCD-Back IQ 280 unter diesen Bedingungen recht enttäuschend aus – bei ISO 3200 hat man bekanntlich nur 20 der 80 Megapixel zur Verfügung („Sensor+-Technologie), und dennoch rauschen die Bilder gewaltig, und auch gegenüber 800 ISO ist der Eindruck vom IQ 250 bei 3200 ISO besser.

Wenn also künftig Mittelformatfotografie, dann auf CMOS-Basis, mein Fazit.

Renate Künast in Tempelhof

Renate Künast in Tempelhof
Renate Künast in Tempelhof

Gestern, eine Woche vor der Bundestagswahl, kam Renate Künast, Direktkandidatin der Grünen für den Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg, nach Tempelhof, um in einem Café an der Manfred-von-Richthofen-Straße mit Einwohnern Tempelhofs über deren Anliegen zu sprechen. Natürlich ging es auch um die „Tempelhofer Freiheit“, also das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Gefragt, ob sie denn dem Volksentscheid für eine Nichtbebauung zustimmen würde, sagte sie, sie würde den Volksentscheid nicht unterschreiben, eine Bebauung am Tempelhofer Damm mit 500 Wohnungen + Infrastruktur fände sie akzeptabel. Zur Begründung bediente sie sich eines rhetorischen Tricks: sie fing an, von der Fläche her zu denken. Jede Fläche müsse sich fragen, wie sie am besten zum Wohl des Gemeinwesens beitragen könne, und da müsse sie wohl alle Interessen berücksichtigen, also Wohninteressen, Wünsche nach Parkfläche usw. – Merkwürdig dabei ist, dass sich nur alle irgendwie noch ‚verfügbaren‘ Flächen dies fragen müssen, die bereits in Privateigentum befindlichen scheinen davon ausgenommen.

Aber eine Fläche ist kein Subjekt, das denkt und sich dem Gemeinwohl zur Verfügung stellt, sondern in unserem gegenwärtigen System „gehört“ diese Fläche erstmal zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg, und es sind die Bewohner dieses Bezirks, die über die Nutzung dieser Fläche und deren Konsequenzen in erster Linie entscheiden sollten. Und diese Fläche hat aktuell so einzigartige Eigenschaften, dass diese durch jede zusätzliche feste Nutzung zerstört würden. Von einer Direktkandidatin für den Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg erwarte ich, dass sie zunächst an die Interessen der Bewohner ihres Wahlkreises denkt, statt mit metaphysischen Argumenten über Flächen deren Bebauung zu ‚legitimieren‘ und ein ‚höheres Interesse‘ gegen eine angebliche ‚Nabelschau‘ (die nächste rhetorische Kunstfigur) der Bezirksbewohner ins Feld zu führen.

An diesem Wochenende fand auch das beliebte „Drachenfest“ als Familienfest auf dem Flughafengelände statt – gesponsert von „Stadt und Land“: die Investoren sitzen schon in den Startlöchern!

Horst Werner’s Fetish Fantasies

Einladung

zur Ausstellung „Horst Werner’s Fetish Fantasies“ von Horst Werner

Im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe

Kunst +Suppe

freut sich die FotoremiseBerlin, die Austellung

Horst Werner’s Fetish Fantasies

in ihren Räumen präsentieren zu dürfen.

War ist coming by Horst Werner
War ist coming by Horst Werner

Vernissage Samstag, 26. Oktober 2013, ab 19:00 Uhr.
Sie und Ihre Freunde sind herzlich eingeladen!

Es wird wie immer eine nahrhafte Suppe zur Stärkung gereicht.

Die Ausstellung wird gezeigt bis zum 13.12.2013
Öffnungszeiten nach Vereinbarung.

Sie erreichen die FotoremiseBerlin in der Emdenzeile 14, 13585 Berlin-Spandau, durch das Hoftor zum Hinterhof.

„Horst Werner’s Fetish Fantasies“ ist eine Präsentation der in langen Jahren der engagierten Fetisch-Fotografie angesammelten Lieblings-Fetisch-Motive des Berliner Fotografen Horst Werner. Lassen Sie sich überraschen!

Die Ausstellung ist nicht jugendfrei und kann daher hier nicht genauer beschrieben werden.

Kontakt
Horst Werner, Tel. (030)6113980
hw@horstwerner.com
www.horstwerner.com

FotoremiseBerlin
Holger Rösch, Tel. 0178/2017860
info@fotoremise-berlin.de
www.fotoremise-berlin.de

2001 Odyssee im Weltraum – revisited

Eigentlich ist es ja keine schlechte Idee des Astor-Kinos in Berlin am Kudamm, wahre Filmklassiker in einer sonntäglichen Matinee nach einer kurzen Einführung dem geneigten cineastischen Publikum noch einmal vorzuführen. Ob dazu aber eine völlig abgenudelte, „mäßig rotstichige“ (in Wahrheit stark rotstichig, es waren fast keine anderen Farben mehr erkennbar), über 40 Jahre alte unrestaurierte verblichene und verkratzte, in den Tonspuren beschädigte Uraufführungskopie (70 mm) geeignet ist, wage ich zu bezweifeln. Eine solche Kopie mag historische künstlerische Bedeutung haben, zum Kennenlernen eines solchen Werks reicht sie nicht.

Wenn sich etwas über Stanley Kubrick sagen lässt, dann, dass er ein Perfektionist war, auch was die Bildqualität seiner Arbeiten angeht. Diese ließ sich nur schwach erahnen. Bereits die DVD-Kopie dieses Films weist eine wesentlich höhere Qualität aus, angemessene Kontraste und brillante Farben. Die Bluray-Version soll noch besser sein.  Warum wurde nicht diese vorgeführt, mit der auf der großen Leinwand wirklich ein neues Kennenlernen der künstlerischen Intention Kubricks und vieler von ihm plazierter bislang kaum sichtbarer Details möglich gewesen wäre?

Der Film selbst bleibt auch nach so langer Zeit hermetisch, verrätselt und kryptisch, und aus der großen Zahl der bis heute versuchten Deutungen (Internetrecherche genügt) hat sich keine als „gültige“ oder „kanonische“ Interpetation herausgeschält: Schickten Aliens den Monolithen? Steht er für die Aufrichtung megalithischer Steine, die den Menschen mit der kosmischen Ordnung ver- und in eine hierarchische Ordnung einbindet?  Bedeuet er gar das Aufnahmefenster der Filmkamera? Hat Kubrick im Film freimaurerische Symbole eingearbeitet (Horus-Auge über der Pyramide)?Verweist der mörderische Computer HAL auf das heraufziehende bedrohliche Computerzeitalter? Meint Kubrick mit HAL direkt IBM? Was passiert in der psychedelischen Reise am Ende des Films? Bringt das neue Wesen den Übermenschen oder das Ende de bekannten Menschheit? Und auch die Verschwörungstheoretiker haben Kubrick für sich entdeckt: mit „2001 – A Space Odyssey“ habe er nur geübt, um die Mondlandung der Amerikaner möglichst gut zu faken, also vorzutäuschen: mögen die Astronauten auf dem Mond gewesen sein oder auch nicht – die brillanten Fotos und nicht so brillanten Filme sollen von Kubrick stammen.

Lohnenswert ist es allemal, den Film zu kennen – aber diese Kopie anzuschauen, war kein Genuss.

 

 

 

 

 

Karl Lagerfeld und das kleine schwarze Jäckchen

Karl Lagerfeld ist neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Modedesigner schon seit Jahrzehnten auch als Fotograf aktiv und verfügt natürlich über die entsprechenden Mittel und Kontakte, optimale, überzeugende Ergebnisse zu erzielen. Leider scheint das nicht zu helfen: über eine elegante Oberflächlichkeit, wie sie in der Modebranche weit verbreitet ist, kommt er nicht hinaus – will er vielleicht auch nicht.

Natürlich ist Karl Lagerfelds neueste Ausstellung mit Fotografien seiner Freunde und Bekannten, jeweils im schwarzen Chanel-Jäckchen, auch in Berlin zu sehen. Die Inszenierung ist beeindruckend: Man tritt ein in einen schwarzen Abgrund (U-Bahnhof Potsdamer Platz), wird durch elegante schwarz gekleidete Assistenten in die richtige Richtung gewiesen und kommt dann in den tunnelartigen natürlich ebenfalls dunklen Ausstellungsraum. Und dann sieht man sie: Unmengen langgestreckter Hochformatbilder in Schwarzweiss, alle Personen vor demselben Hintergrund im Studio in unterschiedlichen Posen und mit passenden Accessoires fotografiert. Aber was ist das? Uns werden keine glatten Prints gezeigt, keine klaren, differenzierten, abgestuften Schwarzweissdrucke, keine in sich ästhetischen Werke, sondern ziemlich grob gerasterte Ausdrucke, womöglich auf Laserprinter ausgegeben. Warum? Sollen die Bilder den Anschein von Zeitschriftendrucken erwecken? Jedenfalls zerstört Lagerfeld im Moment, in dem er uns seine Bilder zeigen will, diese durch ihre starke Aufrasterung, sie erhalten etwas Vorläufiges, stehen nur für den Augenblick wie Bilder in der Tageszeitung, sind morgen schon wieder vergessen.

Und so wird es wohl sein: das Projekt ist fertig, das nächste wartet – wie in der Modewelt die nächste Saison die bisherige vollständig auslöscht, löschen die Bilder seiner neuen Projekte die der alten aus. Es entsteht kein Werk, sondern nur Werbematerial für die Firma K. L. bzw. Chanel. Insofern macht es Sinn, dass die Ausstellung selbstverständlich kostenlos zu besuchen ist: eine optimale Werbeveranstaltung für das Imperium Karl. Selbstverständlich musste dann auch der Berliner Regierende Bürgermeister zur Eröffnung kommen – ärgerlich nur, dass König Karl erst drei Stunden nach der Eröffnung kurz auftauchte…

 

Radioeins im Park am Gleisdreieck

Der Park am Gleisdreieck in Berlin-Kreuzberg ist ja ohnehin scheusslich – ein sogenannter Designerpark, bei dem man alle paar Meter auf irgendein ‚Bespassungsgerät‘ trifft, als ob die Planer pro verbautem Gerät Provision bekommen hätten. Von der vormals dort wild wuchernden „Natur“ ist kaum noch etwas sichtbar. Die Wege sind schnurgerade und betoniert, die „Naturelemente“ wie Bäume sind zwar erhalten, liegen aber isoliert inmitten dieses Freizeit-Idustriegebiets. Dennoch (oder etwa deshalb? O Graus!) ist dieser Park stark besucht, und dieser Andrang steigerte sich die letzten beiden Wochen noch durch das Geburtstagsfest von radioneins „15 Jahre – 15 Tage im Park am Gleisdreick“. Hier einige Impressionen vom 1. September 2012:

Ostkreuzschule für Fotografie

Tag der offenen Tür in der Ostkreuzfotoschule am 12.11.2011

‚Arte Povera‘ wohin man blickt: tief im berliner Osten verborgen, im Stadtteil Weißensee fern der neuen Touristenströme, die Berlin segmentieren, liegt versteckt im Hinterhof und verteilt auf zwei Gebäude diese Fotoschule. Sie geht in der Tradition der Lehre von Ernst Fischer auf einen geradezu mythischen charismatischen Gründer zurück, der das fotografische Geschehen in der DDR weitgehend geprägt haben muss, wenn man den Erzählungen seiner zahlreichen Adepten glaubt. Leider konnte ich ihn nicht persönlich kennen lernen, und sein fotografisches Werk steht hier nicht zur Diskussion.

Einfache Räume also, die notwendige, aber nicht übertriebene Ausstattung an Technik und eine große Aufmerksamkeit der anwesenden Dozenten für die Besucher. An den Wänden Arbeiten der Schüler, und nach wie vor das Bestehen auf der Arbeit mit Film und im Labor neben den natürlich vorhandenen Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung.

Zeitungen der Ostkreuzschule Berlin
Die Jahreszeitungen

Die Studienergebnisse der Arbeit der letzten Jahre liegen vor als Zeitungen, gedruckt auf Zeitungspapier, wie es sich für vorwiegend ‚journalistische‘ oder reportageartige Arbeiten gehört – worin sich ebenfalls eine Verweigerung, eine gewollte Reduktion auszudrücken scheint wie im gesamten Umgang mit der Fotografie: eine Nüchternheit, ein Sich-Zurücknehmen, eine Selbst-Beschränkung – bloß kein „schönes“ Bild etwa, bloß kein voller Tonwertumfang, wie er eben im Zeitungsdruck nicht möglich ist, nur keine wirkliche Farbigkeit, wie sie in der Fotografie möglich wäre – hier wird eine Chimäre von Fotografie zelebriert, ein Gespenst, grau und matt und jenseits von schöner, zeitgeistiger oder zeitgemäßer Bildgestaltung in kommerzieller Fotografie. Ob das wirklich sein muss? Ob eine solche Verweigerungshaltung und Selbstbeschränkung gegen die vorherrschende Bilderwelt ankommt? Oder man sich hier unnötig eines ganzen Darstellungsspektrums beraubt? Wer mit so teuren Geräten wie Fotoapparaten ’spielt‘, hat sich auf die kapitalistische Warenwelt eingelassen – dann so zu tun, als würde man unmittelbar Zugang zu einer „Realität“ jenseits dieser Warenwelt, jenseits der Welt des Scheins erreichen (wollen), bleibt ein Irrtum, wenn auch ein sympathischer: „Wahrheit“ lockt, es werde das „tatsächliche“ Leben gezeigt, der Schleier hyperästhetischer Vernebelung weggerissen, das Soziale dokumentiert; aber die gewonnenen Dokumente funktionieren nur im System, aus dem der Fotografierende kommt. Auf die „Realität“ haben sie keinen Einfluss. Wenn sie aber ohnehin nur in unserem System funktionieren, sollten sie dann nicht so stark in Szene gesetzt werden wie möglich, um hier Wirkung zu entfalten? Sich, seine ästhetischen Mittel zurückzunehmen, wäre dann der ganz falsche Weg.